Kunst im öffentlichen Raum am Beispiel des neuen Maxplatzes
Wer den neu gestalteten Maxplatz eilig überquert, der mag sie glatt übersehen und doch ist sie da: die Kunst. Von Anfang an vorgesehen und als Kostenpunkt einkalkuliert, stand „Kunst am Bau“ auf der planerischen Agenda der Neugestaltung. Das ist nicht selbstverständlich. Nur allzu oft rückt die Kunst bei Baumaßnahmen in den Hintergrund. Diese Vernachlässigung führt dazu, dass nicht selten sogar erst dann, wenn das Bauprojekt abgeschlossen ist, Kunstwerke als rein dekoratives Element nachträglich hinzugefügt, hingehängt oder aufgestellt werden. Gut, dass es bei der Neugestaltung des Maxplatzes anders verlaufen ist.
Frühzeitige Einbindung
Die Regelung im Leitfaden Kunst am Bau, herausgegeben vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, fordert ausdrücklich „Kunstwettbewerbe sollen zu einem möglichst frühen Zeitpunkt […] durchgeführt werden, um eine erfolgreiche Kooperation zwischen Künstlern und den weiteren am Bau Beteiligten zu ermöglichen und die Einbeziehung der künstlerischen Idee in die Bauplanung zu unterstützen.“ Allerdings handelt es sich dabei, wie dem Zitat zu entnehmen ist, um eine „Soll-Bestimmung“. Diese gilt auch für die dafür zu veranschlagenden Kosten in Höhe von 1,5 Prozent der Bausumme, die für die Kunst „eingeplant werden sollen.“
Was diese eher abstrakten Vorgaben in der Praxis bedeuten können, zeigt das Beispiel des neuen Maxplatzes. Mit meinem Beitrag möchte ich darlegen, wie wichtig eine frühzeitige Projektbeteiligung von Künstlerinnen und Künstlern ist. Denn nur so konnte das „Quiz“ der Münchner Bildhauerin Gabriele Obermaier zum integralen Bestandteil des neuen Maxplatzes werden. Ihre Bodenarbeit ist geradezu beispielhaft für eine zeitgenössische Auffassung von Kunst im öffentlichen Raum.
Die Ausschreibung zum Bildhauerwettbewerb
In einem so genannten nicht-offenen Wettbewerb wurden sechs von einem Auswahlgremium bestimmte Bildhauerinnen und Bildhauer eingeladen, einen „künstlerisch hochwertige[n] Beitrag“ […] auszuarbeiten, der „das Thema Salz auf eine zeitgemäße Art und Weise aufgreift und für die Menschen von heute zugänglich macht.“
Bereits in der Ausschreibung war gefordert, dass es sich um Kunst handeln müsse, die speziell für den Maxplatz bestimmt ist und mit diesem untrennbar verbunden bleibt. Und zwar nicht nur in formaler und funktionaler Hinsicht, sondern auch dadurch, dass inhaltlich ein konkreter Bezug zur historischen Bedeutung des Salzhandels für Traunstein im Allgemeinen und den Maxplatz im Besonderen hergestellt wird. Denn bis zum Brand von 1851 stand hier bekanntlich der Salzstadel, der zur Lagerung des Salzes diente.
Wer entscheidet?
Die mit Fach- und Sachjuroren besetzte Wettbewerbsjury tagte am 12. März 2024 in der Ausstellung zum Bildhauerwettbewerb im Kulturforum Klosterkirche. Dort sprach man sich einstimmig für den „Quiz“ genannten Vorschlag der Bildhauerin Gabriele Obermaier aus. Der Stadtrat folgte bereits in der darauffolgenden Woche dieser Empfehlung mit 20:7 Stimmen. Es wäre interessant zu erfahren, ob sich mit der Realisierung des Kunstwerks etwaige Zweifel der sieben Bedenkenträger aufgelöst haben.
Deutlich jedenfalls wurde in den Diskussionen, dass Kunst im öffentlichen Raum neben ästhetischen Kriterien und dem Merkmal der Ortsspezifität auch immer stark von funktional pragmatischen Anforderungen geprägt ist: Wird das Schneeräumen behindert? Gibt es Einschränkungen für Passanten, die mit Rollstuhl oder Gehwägelchen unterwegs sind? Besteht die Gefahr, dass das verwendete Material für Vandalismus anfällig ist oder hält es den Umwelteinflüssen auf Dauer womöglich gar nicht stand? Hier sind auch die Gründe zu suchen, warum die bildhauerische Idee von Dorothea Reese-Heim mit dem Titel „Die Blaue Linie“ letztlich nicht ernsthaft zur Realisierung empfohlen werden konnte – obwohl der Projektvorschlag vielen Besuchern der Wettbewerbsausstellung und einzelnen Stadtratsmitgliedern besonders gefiel. Zwar war noch nachträglich ein Fachgutachten eingereicht worden, was die dauerhafte Haltbarkeit der blauen Mosaiksteine in Aussicht stellte, aber die Bedenken blieben schwerwiegend. Das Risiko, dass die Verklebung der wertvollen Lapislazuli-Plättchen auf der Bepflasterung im Außenbereich, also in einem Bereich, der tagtäglich Wind und Wetter ausgesetzt ist, im Laufe der Zeit doch brüchig werden könnte, wurde als zu hoch eingeschätzt.
Ein Vorbehalt gegenüber der Bodenarbeit „Quiz“, der im Stadtrat kontrovers erörtert wurde, hatte eine ethisch-moralische Ausrichtung. Durch die Kombination von Pflastersteinen, Text und Metall könne man sich an das Projekt der sogenannten „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig erinnert fühlen, und dies sei unangemessen. „Stolpersteine“ sind als mahnendes Gedenken an die jüdischen Opfer des deutschen nationalsozialistischen Faschismus in vielen Städten Deutschlands und Europas zu finden. Hat man als Entscheider lediglich das schriftliche Konzept, Entwurfspläne und eine wenig aussagekräftige Materialprobe von Obermaier vor Augen, dann ist diese Assoziation durchaus naheliegend. Drängt sich die Assoziation allerdings heute nach der Realisierung immer noch auf? Die einzelnen Bronzebuchstaben, die am Maxplatz verteilt über mehrere Pflastersteine einen Sinn ergeben, haben meiner Meinung nach wenig Ähnlichkeit mit den aus Messing gefertigten Gedenktäfelchen, die als Einzelelemente in Bürgersteige eingelassen sind.
Kunst als „Quiz“
An neun verschiedenen Stellen der Bepflasterung, verteilt über das ganze Areal des Maxplatzes bis hinüber zum Pfarrheim St. Oswald und zur Lourdes-Kapelle, trifft der Passant auf mit schnörkellosen Bronzemajuskeln gebildete Wörter und Satzteile, die alle als Gemeinsamkeit einen inhaltlichen Bezug zu „Salz“ aufweisen:
- WORT MIT S
- WIRKT ANTIBAKTERIELL
- AMOLE
- STEHT OFT AUF DEM TISCH
- MINERAL
- GÖTTERGABE
- NACL
- WEISSES GOLD
- RAFFINIERT
Die Künstlerin Gabriele Obermaier traf damit eine äußerst „raffinierte“ Auswahl, die die Bandbreite des Minerals mit der chemischen Formel NACL (Natriumchlorid) in Medizin, Ernährung, Wissenschaft und Alltagskultur auslotet und gleichzeitig den unglaublichen Wandel seiner Wertigkeit verdeutlicht: von der „Göttergabe“ und dem „weißen Gold“ früherer Tage hin zum heute billigen, allzeit verfügbaren, elementaren Nahrungszusatz, der „oft auf dem Tisch steht“. Mit dem Salzgeld „Amole“, das in Äthiopien traditionell als Zahlungsmittel gebräuchlich war und zugleich aufgrund seines Gebrauchswerts getauscht wurde, geht der Blick sogar über den Tellerrand der Traunsteiner Historie hinaus. Das Salzgeld ist dort auf den lokalen Märkten heute noch zu finden, doch kennen wohl die wenigsten von uns das Wort „Amole“ und dessen Bedeutung. Der Neugierige, der nach Wissenserweiterung und Erkenntnis strebt, wird sich über diesen Impuls freuen und dafür Nachschlagewerke und Internet bemühen wollen.
Die von der Bildhauerin für die Steine verwendete Bronze ist nicht nur für ihre Dauerhaftigkeit und Widerstandskraft gegenüber Umwelteinflüssen und Abnutzung sowie ihre hohe ästhetische Qualität bekannt – sie wird im Laufe der Zeit sogar noch schöner und glänzender. Sie eröffnet darüber hinaus auch Einsicht in den Bedeutungswandel von Werkstoffen im Laufe der Kunstgeschichte.
Was wird vermittelt?
Jahrhundertelang war Kunst im öffentlichen Raum ein Machtsymbol, Repräsentationsplattform weltlicher und kirchlicher Autorität. Der modernistische Anspruch, Kunst herauszulösen (Schlüsselbegriff: „Die Kunst ist frei“) aus ihrer Aufgabe und Funktion als religiöse, aristokratische oder historisch-politische Repräsentation, führte gerade im öffentlichen Raum der 1980er und 1990er Jahre zu einer gewissen Beliebigkeit der präsentierten Skulpturen und Plastiken und manchmal zur Funktionalisierung der Kunst zum rein dekorativen Zusatzelement einer bereits bestehenden „Stadtmöblierung“. Auf öffentlichen Plätzen sah sich der Passant konfrontiert mit abstrakten Kunstwerken, die wohl als ästhetischer Akzent gedacht, dann aber mehr oder weniger unmotiviert, bald verrostet und graffitibeschmiert „herumstanden“ und sogar tendenziell als störend wahrgenommen wurden. Anspruch und Wirklichkeit klafften auseinander. Hubertus Butin spricht daher in seinem Aufsatz über diese Formen der Kunst im öffentlichen Raum sogar von einer „Zwangsbeglückung“ der Menschen. Die Vermittelbarkeit hat gerade im öffentlichen Raum, wo die Kunst – im Gegensatz zur Präsentation in etablierten Ausstellungsräumen – auf ein weitestgehend unfreiwilliges Publikum stößt, eine nicht zu unterschätzende Relevanz.
Die Kunst steigt vom Sockel
Reiterstandbilder, Porträtplastiken und Büsten von Herrschern und kirchlichen Würdenträgern waren neben der Realisierung in Stein über viele Epochen hinweg vor allem aus Bronze gegossen worden. Mit dem Einzug und Erstarken demokratischer und republikanischer Werte und Normen stieg auch die Kunst im wortwörtlichen Sinne vom Sockel. Den Anfang dazu machte bereits Auguste Rodin mit seinen weltberühmten „Bürgern von Calais“ aus dem Jahr 1897.
Rodin favorisierte eine betrachternahe und niedrige Aufstellung der bronzenen Individualfiguren, konnte diese aber nach Einspruch der Stadtoberen von Calais nicht durchsetzen. Erst im Jahr 1924, einige Jahre nach dem Tod des Bildhauers, kam man der von Rodin angedachten niedrigen Aufstellung der Standplastik nach und entfernte den Sockel. Noch in anderer Hinsicht können die „Bürger von Calais“ als Schlüsselwerk im Prozess der Demokratisierung bezeichnet werden: Bei Sockelplastiken ist die Blickrichtung des Betrachters eine von unten nach oben gehende; die Erhabenheit und Autorität der Figuren auf dem Sockel sind sowohl eine metaphorische als auch eine in Metern messbare Größe. Höhe und Monumentalität waren unmittelbar mit der Macht und Bedeutung des Dargestellten oder der symbolisch gemeinten Szene verknüpft.
Seit der Moderne jedoch wird der Betrachter immer mehr selbst zum Teil der Szene, zum Gegenüber. Er befindet sich auf Augenhöhe mit den Figuren und das gesamte Werk wird nur dann erfasst, wenn sich der Betrachter aktiv um die Skulptur herumbewegt. Man kann durchaus von einem Paradigmenwechsel sprechen − weg von der Einansichtigkeit frontal ausgerichteter Sockelplastiken hin zur Rundansichtigkeit, die unterschiedlichste Perspektiven und Standorte erlaubt. Die Hierarchie zwischen Kunst und Betrachter wird so deutlich gemindert.
Spielerischer Ansatz, der zum Mitmachen motiviert
Die Bodenarbeit „Quiz“ geht dabei noch einen Schritt weiter: Wörter und Satzteile sind ebenerdig als fester Bestandteil in das aus hellen, größtenteils leicht gelblichen Granitgroßsteinen zusammengesetzte Pflaster eingelassen. So kann der Betrachter die formale und inhaltliche Einheit aller neun Wortinseln nur dann erfassen, wenn er neugierig und willens ist, den ganzen Maxplatz kreuz und quer auf individuell gewählten Wegen zu erforschen. Was das Rezeptionsverhalten betrifft, wählte Gabriele Obermaier für das „Quiz“ also einen spielerischen, maximal offenen Ansatz. Ortsspezifische Kunst wie Obermaiers „Quiz“ ermöglichen eine Sensibilisierung der Betrachter und Passanten für den Ort, an dem sie sich befinden, und machen das Mitmachen zur Voraussetzung für das Kunsterlebnis.
Eine Enthierarchisierung findet nicht nur zwischen Kunst und Betrachter, sondern auch zwischen Künstlerpersönlichkeit und Betrachter statt. Denn weder ist irgendwo eine namentliche Nennung der Bildhauerin, geschweige denn eine Künstlersignatur zu finden, noch strebt ihr Werk nach Bewunderung oder ehrfürchtigem Schauen. Das „Quiz“ ist Kunst als Angebot, das den Menschen gemacht wird, ganz ohne einen elitären Anspruch aus dem sprichwörtlichen und oft kritisierten Elfenbeinturm. Überspitzt gesagt könnte man so weit gehen zu behaupten, dass sich die Kunst auf dem Maxplatz zurücknimmt und erst dann zur Geltung, zur Vollendung kommt, wenn das Angebot angenommen und eine Art stummer Dialog zwischen Menschen und Kunst entsteht. Der Spaziergänger wird aus der Passivität einer einseitigen Betrachtung entlassen und zum aktiven Mitschöpfer der Kunst. Die Kunst ist in diesem Fall also weniger das materielle Objekt, sondern definiert sich vielmehr als ein zeitlich begrenzter, prozessorientierter Akt: Kunst als Handlung, die sich aus der Wechselbeziehung und der Resonanz zwischen Betrachter, Kunstwerk und Ort entwickelt. In den Worten Hubertus Butins: „Die Verlagerung vom autonomen Werk auf das ortsspezifische Projekt, von der beweglichen Plastik des Modernismus zur umraumbezogenen Installation oder Intervention, sollte […] nicht zuletzt auch eine Verweigerungshaltung gegenüber dem kommerziellen Warencharakter von Kunst zum Ausdruck bringen […].“
Das „Quiz“ von Gabriele Obermaier kann durchaus im Licht dieser antikommerziellen Haltung gesehen werden und harmoniert mit der Gestaltung und Ausstattung des gesamten neuen Maxplatzes, dessen optimale Aufenthaltsqualität für alle Bevölkerungsschichten das erklärte Ziel der Planer war. Die von den Besuchern per Kurbel betriebene Wassersäule und das Geschicklichkeitsspiel mit Kugeln entfalten – ebenso wie das Spiel mit den Worten – erst dann ihre volle Wirkung, wenn sie spielerisch genutzt werden.
Auch das ebenerdig zugängliche Fontänenfeld mit den unregelmäßig und überraschend in die Höhe schießenden Wasserstrahlen hat sich bereits im ersten Sommer seiner Inbetriebnahme als magnetischer Anziehungspunkt für Kinder und Erwachsene erwiesen, an dem sich Aktivität und Spiel breitmachen. In dieser Hinsicht stellt es eine deutliche funktionale Veränderung zu Ernst Rappels „Rupertusbrunnen“ dar, der hier von 1991 bis zur Sanierung stand. Als klassischer Rundbrunnen mit hoher Brüstung und einer mittig platzierten Sockelfigur des Salz-Heiligen war der Rupertusbrunnen stärker auf Betrachtung und Repräsentation ausgelegt – das offene Fontänenfeld setzt dagegen auf unmittelbare Interaktion. Die unterschiedlich geformten Sitzmöglichkeiten mit Bänken und Tischen laden zudem ein, miteinander ins Gespräch zu kommen, anderen beim Spiel zuzusehen und einfach in angenehmer und alle Sinne anregender Art und Weise Zeit am Maxplatz zu verbringen.
Gabriele Obermaier selbst beschrieb ihren künstlerischen Ansatz in der Bewerbung folgendermaßen: „Die Bodenarbeit ,QUIZ‘ wendet sich an alle Generationen und ist ein Spiel zum reinen Vergnügen. Es gibt hier keine Sieger, nur die Neugier als Triebfeder den ganzen Platz zu erkunden. Für die Bürger*innen und Besucher*innen der Stadt Traunstein mag ,QUIZ‘ eine freundliche Geste sein, sich mit einem Aspekt der Stadtgeschichte zu befassen und eine Anregung sein, ,en passant‘ Kunst als Bereicherung zu erleben.“ Diesem Anspruch wird die Installation rundum gerecht.
An die Menschen gerichtet
Es überrascht daher kaum, dass unter diesen günstigen Voraussetzungen für Kommunikation ein allgemeiner Treffpunkt in der Innenstadt entstand. Für das Künstlerkollektiv Department für öffentliche Erscheinungen, das von sich sagt: „Unser Atelier ist die Straße“, erwies er sich als perfekter Ort für eine temporäre Kunstaktion. „Zusammen unter vielen Dächern“ lautete ihr Titel. Passantinnen und Passanten wurden dabei nach den Gründen und Anlässen für ihre persönliche Motivation zum bürgerschaftlichen Engagement befragt und verewigten diese schriftlich auf Zedernholzschindeln, mit denen im Laufe von zwei Tagen die titelgebenden Dächer bestückt wurden.
Kurz nach der offiziellen Eröffnung des neuen Maxplatzes fand im nahe gelegenen Kulturforum Klosterkirche außerdem die Jahresausstellung des Kunstvereins Traunstein 2025 statt. Das Thema der Gruppenausstellung war: „Was ist eine Stadt?“ Die Schau zeigte die unterschiedlichsten Perspektiven auf das Konstrukt „Stadt“ aus künstlerischer Sicht. Mit dabei war die Slideshow „Darf’s etwas mehr sein für den Maxplatz in Traunstein mit KI?“ des Künstlers Herbert Stahl, der mithilfe eines KI-Programms dutzende Fotobilder produzierte. Es war erfrischend und erheiternd zu sehen, welche Gestaltungsmöglichkeiten der Algorithmus einer Künstlichen Intelligenz – ohne sich um formale, ortsspezifische und inhaltliche Gesichtspunkte zu scheren – für den Maxplatz fand. Das KI-Programm fischt bekanntlich rein rechnerisch und absichtslos in der Bilderflut des World-Wide-Web, ohne dass der Mensch mit seinen Bedürfnissen, Wünschen und Wahrnehmungen berücksichtigt wird. Weder denkt die Maschine, noch ist sie in der Lage Empathie zu entwickeln. Für die von Künstlerinnen und Künstlern erdachte und verwirklichte Kunst hingegen ist der Mensch und sein Leben immer die wichtigste Referenz.
Für das „Quiz“ von Gabriele Obermaier am neu gestalteten Maxplatz gilt dies in besonderem Maße. Das Werk richtet sich an die Menschen, die den Platz besuchen, ermuntert zur aktiven Teilnahme und macht neugierig auf die Traunsteiner Historie sowie gesellschaftlich-kulturelle Zusammenhänge. Es fördert spielerisch Wissen und Erkenntnisse, ohne belehrend zu sein, und sensibilisiert für eine dezente Ästhetik, die sich als Teil des Ganzen begreift – kurz: Es handelt sich um echte „Kunst ohne Sockel“.
Judith Bader, 2026
Katalog: Maxplatz Traunstein, Traunstein, Große Kreisstadt Traunstein, 2026, Judith Bader Die Kunst steigt vom Sockel - Kunst im öffentlichen Raum am Beispiel des neuen Maxplatzes, Seite 80 ff, ISBN: 978-3-00-086977-8